Themen im Jahresbericht 2025:
Vorwort I Leitartikel I Jugendwohnbegleitung I 50. Jubiläum I Kinder forschen I St. Barbara I Spendenrückblick I Zahlenteil
Wie aus Kitas kleine Forschungseinrichtungen werden
Herzlichen Glückwunsch! Alle Kitas und Familienzentren sowie der gesamte Caritasverband Hannover wurden ausgezeichnet.
Foto: Johannes Hensel
Ein knappes Jahr später sprechen wir mit Fachberaterin Melanie Cizek-Skriboleit und Julia Albers, Leitung der Kindertagesstätte St. Katharina. Zusammen haben sie den Zertifizierungsprozess auf den Weg gebracht und maßgeblich zum Erfolg geführt.
Wenn Sie auf den Fachtag zur Zertifizierung zurückblicken: Was hat sich in den Kitas und Familienzentren verändert?
Melanie Cizek-Skriboleit: Vor allem hat die Auszeichnung unglaublich viel Motivation ausgelöst. Der Fachtag mit allen Einrichtungen war ein echtes Gemeinschaftserlebnis. Gerade in den Wintermonaten, wenn Krankheitsausfälle, kaltes Wetter und die Vorweihnachtszeit den Alltag oft herausfordernd machen, kam dieser Impuls zur richtigen Zeit. Viele Teams sind mit frischer Energie aus den Workshops gekommen.
Julia Albers: So einen Fachtag mit allen Mitarbeitenden gleichzeitig zu veranstalten, ist ja ein riesiges Unterfangen. Und das hat richtig für Aufbruchstimmung gesorgt! Und in den meisten Einrichtungen ging es seitdem mit Folgeveranstaltungen weiter. 13 Kitas haben bereits Studientage genutzt und die Workshops des Netzwerkpartners "Forscher-Kids Region Hannover" in Anspruch genommen. Andere haben einzelne Kolleginnen und Kollegen zu Fortbildungen geschickt, die ihre Erfahrungen anschließend ins Team getragen haben.
Melanie Cizek-Skriboleit, Fachberaterin
Foto: Johannes Hensel
Julia Albers, Kitaleitung St. Katharina
Foto: Johannes Hensel
Was nehmen die Kolleg:innen aus diesen Workshops mit?
Julia Albers: Vor allem praktische Ideen. Es geht nicht darum, komplizierte Experimente aufzubauen oder teures Material anzuschaffen. Die Stiftung zeigt gut auf, wie einfach Forschen im Alltag sein kann. Oft reicht schon eine witzige Frage oder eine spannende Beobachtung.
Melanie Cizek-Skriboleit: So kommen Kinder miteinander und mit den Erwachsenen ins Gespräch, stellen Fragen und entwickeln Interessen für Themen, die sie vorher gar nicht kannten.
Im Rahmen eines Workshops entwickeln die Einrichtungsleitung gemeinsam Ideen, um Kindern MINT-Themen näherzubringen.
Foto: Johannes Hensel
Wie sieht das konkret aus?
Julia Albers: Ein schönes Beispiel ist das Thema Müll. Was ist eigentlich alles Müll? Was passiert damit? Warum verschwindet manches schnell und anderes bleibt so lange liegen? Und anschließend wird ausprobiert. Das Ergebnis in unserer Kita war eine plastikfreie Woche und seitdem ist die Nutzung von Plastikverpackungen auch bei den Eltern deutlich zurückgegangen. So entstehen aus Alltagsfragen Forschungsprojekte und nachhaltige Veränderungen.
Melanie Cizek-Skriboleit: Mir fällt noch die Wurmkiste im Garten der Kita St. Thomas Morus ein. Sie zeigt Kindern anschaulich, wie Naturkreisläufe funktionieren. Die Einrichtung war schon vor dem gemeinsamen Termin zertifiziert. Die Leitung Catrin Heidolf hat ihr Haus im Nachgang für Kolleginnen und Kollegen geöffnet, um genau solche Projekte zu veranschaulichen. Dann hospitieren Mitarbeitende aus anderen Kitas in Ronnenberg und nehmen die Ideen mit.
In der Kita St. Valentin entstand dadurch ein Forschungstisch im Eingangsbereich. Dort können Kinder gemeinsam mit ihren Eltern Sachen ausprobieren. Etwa mit einer Lupe Pflanzen im Garten wiederfinden. Das zeigt wunderbar, dass Forschen als Teil des Alltags am besten funktioniert.
Wie erleben die Kinder diese neuen Angebote?
Julia Albers: Kinder sind von Natur aus Forscherinnen und Forscher. Sie wollen wissen, wie ein Insekt heißt, wie Wasser zu Eis wird oder wieso Vogelkacka so komisch aussieht (lacht)? Und sie begegnen diesen Themen immer mit einem Strahlen im Gesicht und großer Begeisterung. Genau diese Begeisterung möchten wir erhalten. Wer früh erlebt, dass Fragen willkommen sind, trägt diese Neugier und diese Selbstwirksamkeit bis ins Erwachsenenalter.
Julia Albers, Leitung Kita St. Katharina, bei der feierlichen Übergabe der "Stiftung Kinder forschen" Zertifizierung"
Foto: Johannes Hensel
„Wenn Eltern hören: "Bei uns wird schon in der Krippe geforscht", dann macht das einen echten Unterschied. Es zeigt, dass wir Kinder dabei begleiten, die Welt zu entdecken. Und genau das macht unsere Einrichtungen aus.
MINT-Bildung und Forschen klingt für viele Erwachsene nach Mathematik und Computern. Was sagen sie Eltern, die sowas vermuten?
Melanie Cizek-Skriboleit: Mathe, Naturwissenschaften und Technik spielen auf jeden Fall eine Rolle. Es geht aber um die Neugier, die Julia gerade genannt hat. Die Kinder sollen lernen, die Welt als das zu sehen, was sie ist. Endlos spannend und faszinierend. Dadurch stellen sie Fragen, äußern Vermutungen und suchen mit uns gemeinsam nach Antworten.
Julia Albers: Sie erleben auch, dass Fehler wichtig sind und dass es fast immer mehrere Lösungswege gibt. Diese Kompetenzen brauchen sie später überall. Unsere Mitarbeitenden lernen mit den Kindern zusammen. Wir stellen Fragen in den Raum, die Kinder machen sich selbstständig auf den Weg. Das stärkt das Selbstwertgefühl ungemein.
Ende 2027 müsste die Zertifizierung erneuert werden. Bleiben unsere Einrichtungen "Häuser, in denen Kinder forschen"?
Julia Albers: Ich denke, dass die meisten Einrichtungen diesen Weg weitergehen werden. Die Begeisterung ist da und die Teams unterstützen sich gegenseitig. Wir wissen jetzt auch, wie gut sich Forschen in den Alltag einbauen lässt.
Melanie Cizek-Skriboleit: Außerdem merken wir, dass das Thema auch nach außen wirkt. Viele Kitas stehen heute vor der Herausforderung, freie Plätze zu besetzen. Wenn Eltern hören: "Bei uns wird schon in der Krippe geforscht", dann macht das einen echten Unterschied. Es zeigt, dass wir Kinder dabei begleiten, die Welt zu entdecken. Und genau das macht unsere Einrichtungen aus.