Themen im Jahresbericht 2025:
Vorwort I Leitartikel I Jugendwohnbegleitung I 50. Jubiläum I Kinder forschen I St. Barbara I Spendenrückblick I Zahlenteil
St. Barbara: Der Weg zum Familienzentrum
v. l. n. r.: Bernadette Talhof, Koordinatorin, und Angela Boyksen, Leiterin, bei der Eröffnungsfeier des Familienzentrums St. Barbara.
Früher wart ihr eine Kita, inzwischen sind Sie Familienzentrum. Wie kam es zu dieser Entwicklung?
Angela Boyksen: Die Idee, Familienzentrum zu werden, entstand, als ich erfuhr, dass in der Region neue Familienzentren aufgebaut werden sollten. Durch die enge Zusammenarbeit mit der Stadt Barsinghausen waren wir ohnehin bereits intensiv im Stadtteil vernetzt und haben gemeinsam Projekte angestoßen.
Unser Blick richtete sich immer auf die Frage: "Was brauchen Familien und Fachkräfte im Stadtteil?" Als das Thema Familienzentrum aufkam, war schnell klar, dass dieses Konzept hervorragend zu uns passt. Eine offene Haltung gegenüber Eltern, sie willkommen zu heißen und sie aktiv einzubeziehen, gehört seit jeher zu unserem Selbstverständnis. Die Weiterentwicklung zum Familienzentrum war deshalb eine logische Konsequenz.
Was macht den Unterschied zwischen einer Kita und einem Familienzentrum für Sie aus?
Angela Boyksen: Für mich bedeutet das Familienzentrum vor allem einen offenen Anlaufpunkt für Familien im Stadtteil. Einen Ort, an den man jederzeit kommen kann, wenn man im Alltag nicht weiterweiß oder vor konkreten Herausforderungen steht. Familien können sich mit unterschiedlichen Anliegen melden, etwa bei Erziehungsfragen oder wenn Unterstützung bei Anträgen benötigt wird.
So entsteht ein verlässliches Angebot, das Orientierung gibt und den Familien das Gefühl vermittelt: Hier gibt es einen Ort, an dem ich nicht allein bleibe, wenn es schwierig wird.
Was hat sich seit der Eröffnung des Familienzentrums im Alltag am stärksten verändert?
Angela Boyksen: Durch die neue Koordinatorin und die zusätzlichen Räumlichkeiten haben wir deutlich mehr Möglichkeiten, Familien gezielt zu unterstützen. Das verändert auch den Blick im Team. Die Kolleg:innen denken stärker in Angeboten und fragen sich im Alltag schneller, welche passenden Unterstützungswege es direkt im Haus benötigt.
Ein Beispiel sind Kursangebote wie Sprachkurse. Wenn Familien noch nicht gut Deutsch sprechen, können wir direkt auf ein niedrigschwelliges Angebot vor Ort verweisen.
Viele Menschen erleben heute Zeitdruck, Unsicherheit oder auch Einsamkeit. Wie begegnet ihr diesen Herausforderungen im Familienzentrum?
Angela Boyksen: Im Familienzentrum ist eine offene und wertschätzende Haltung gegenüber Eltern ein zentraler Grundsatz. Uns ist wichtig, Eltern zunächst so anzunehmen, wie sie sind, mit ihrer individuellen Lebenssituation und allem, was sie mitbringen. Diese Haltung prägt unsere tägliche Arbeit und schafft Vertrauen.
Gleichzeitig nehmen wir wahr, dass der Druck auf Familien insgesamt zunimmt. Steigende Lebenshaltungskosten, höhere Lebensmittelpreise und wachsende finanzielle Belastungen prägen den Alltag vieler Eltern. Dabei zeigt sich oft nicht sofort, wie herausfordernd die Situation tatsächlich ist. Viele Familien versuchen, nach außen zu funktionieren und ihre Belastungen nicht sichtbar werden zu lassen. Umso wichtiger ist es, sensibel hinzuschauen und verlässliche Beziehungen aufzubauen.
Ein Familienzentrum arbeitet dabei selten allein. Welche Rolle spielen Kooperationen und Netzwerke für eure Arbeit?
Angela Boyksen: Kooperationen und Netzwerke sind für unsere Arbeit im Familienzentrum unverzichtbar. Als einziges Familienzentrum in Barsinghausen profitieren wir besonders vom gemeinsamen Austausch. Die regelmäßigen Treffen der Familienzentren in der Region Hannover bieten dafür eine wichtige Plattform. Hier kommen wir alle paar Monate zusammen, um Erfahrungen zu teilen, voneinander zu lernen und gemeinsame Entwicklungen voranzubringen. Ergänzend gibt es Arbeitskreise für Koordinator:innen sowie einrichtungsübergreifende Austauschrunden innerhalb der Caritas. Gerade im Aufbau ist dieser Blick über den eigenen Standort hinaus besonders wertvoll, weil er Orientierung gibt und konkrete Impulse liefert.
Wenn ihr auf den bisherigen Weg blickt: Worauf seid ihr besonders stolz?
Angela Boyksen: Besonders stolz sind wir darauf, dass sich das Familienzentrum in der Kirchengemeinde und im Stadtteil inzwischen sehr gut etabliert hat. Heute erleben wir eine breite Akzeptanz und große Offenheit.
Sehr positiv ist auch die Zusammenarbeit innerhalb der Kirchengemeinde selbst. Die Rückmeldungen sind wertschätzend und zeigen, dass unser Angebot als Gewinn für das Miteinander verstanden wird. Das stärkt uns in unserem Weg und bestätigt die Entwicklung.
Ein weiterer Punkt, auf den wir stolz sind, ist das Team. Es wird gemeinsam geschaut, was möglich ist und wie sich neue Ideen sinnvoll umsetzen lassen. Diese Offenheit ermöglicht viel Gestaltungsspielraum und kreative Entwicklungen im Alltag. Dass wir diesen Weg gemeinsam gehen, mit der Kirchengemeinde, dem Team und den Netzwerkpartnern, macht die Arbeit besonders wertvoll. Genau darauf sind wir stolz.
„Es wird gemeinsam geschaut, was möglich ist und wie sich neue Ideen sinnvoll umsetzen lassen. Diese Offenheit ermöglicht viel Gestaltungsspielraum und kreative Entwicklungen im Alltag.
Zusammen geht was: Ein engagiertes Team bildet das Fundament des Familienzentrums.
Wo soll die Reise in den nächsten Jahren noch hingehen?
Angela Boyksen: Für die kommenden Jahre wünschen wir uns, dass das Familienzentrum ein noch stärker belebter und im Stadtteil fest verankerter Ort wird. Ein Ort, den die Menschen kennen und an den sie selbstverständlich denken, wenn sie Unterstützung oder Orientierung brauchen. Dabei denken wir bewusst generationenübergreifend. Es geht nicht darum, dass wir auf alles eine fertige Antwort haben. Entscheidend ist, gemeinsam Lösungen zu entwickeln und Wege zu finden, wenn Situationen unübersichtlich werden. Wenn es gelingt, diese Haltung weiter zu stärken und das Familienzentrum als bekannten, lebendigen Treffpunkt im Stadtteil zu etablieren, wäre das für uns ein großer Erfolg.