„Demenz in Beziehung“: Ausstellung macht Menschen hinter der Diagnose sichtbar
Am Abend füllte sich der ka:punkt mit rund 80 geladenen Gästen. Schon beim Betreten fiel der Blick auf die Fotografien. Abgelichtet wurden Ines, Guido, Peter und Klaus mit ihren Angehörigen. Ergänzt wurden die Bilder durch Begleittexte, die Einblicke in ihre Lebensgeschichten mit einer frühen Demenz gaben.
Rund 80 Gäste kamen zur Vernissage, um den Geschichten der Betroffenen zu lauschen und sich mit einer Erkrankung auseinanderzusetzen, die nicht nur Menschen im hohen Alter betrifft.
In seinen Eröffnungsworten wandte sich Dr. Schubert, Vorstand des Caritasverbandes Hannover, direkt an die Mitglieder des Klöncafés der Gerontopsychiatrischen Beratungsstelle Lindenbaum und ihre Angehörigen. "Es ist keine Selbstverständlichkeit, die eigene Geschichte mit anderen zu teilen. Dafür möchte ich Ihnen meinen großen Respekt und auch meinen herzlichen Dank aussprechen." Mit ihrer Offenheit geben Ines, Guido, Peter und Klaus dem Thema Demenz ein Gesicht und eine Stimme. Denn Scham, Angst vor Stigmatisierung und Ausgrenzung können dazu führen, dass Menschen ihre Erkrankung nicht öffentlich machen.
Wenn Demenz mitten im Leben beginnt
Anschließend lenkte Monika Reimann, Leitung Lindenbaum, den Blick auf das Thema Demenz im jüngeren Lebensalter. Noch immer verbinden viele Menschen Demenz vor allem mit dem hohen Alter. Doch eine Demenzerkrankung kann auch Menschen treffen, die mitten im Leben stehen: Menschen, die berufstätig sind, Kinder großziehen und Pläne für ihre Zukunft haben.
Monika Reimann, Leitung Lindenbaum, rückt Demenz im jüngeren Lebensalter in den Fokus. Ein Thema das oft übersehen wird.
Für die Betroffenen und ihre Familien kann sich das Leben dadurch innerhalb kurzer Zeit grundlegend verändern. Auch die vier Protagonist:innen kennen diese Erfahrung. Gleichzeitig kann die Erkrankung Beziehungen verändern und neue Formen von Nähe, Verbundenheit und Fürsorge entstehen lassen. Genau diesen Gedanken bringt die Ausstellung auf den Punkt: Demenz in Beziehung.
Fotografien zeigen Menschen, nicht Diagnosen
Im Anschluss gab Fotograf Anton Vester Einblicke in die konzeptionelle Entstehung der Fotografien und lud die Gäste ein, die Ausstellung auf sich wirken zu lassen und miteinander ins Gespräch zu kommen. Schnell entwickelte sich ein lebendiger Austausch. Die Porträts und persönlichen Geschichten regten dazu an, innezuhalten, genauer hinzusehen und dem Menschen hinter der Diagnose zu begegnen. Dabei wird vor allem eines sichtbar: Hier stehen Menschen im Mittelpunkt, nicht Diagnosen. Sichtbar werden ihre Persönlichkeit und die Beziehungen, die ihnen Halt geben und sie im Alltag tragen.
Die Vernissage schuf Raum für Begegnung, Austausch und einen offenen Umgang mit dem Thema Frühdemenz.
Die Porträts zeigen Menschen hinter der Diagnose mit ihren persönlichen Geschichten und den Beziehungen, die ihnen Halt geben.
Die Vernissage zeigte einmal mehr, wie wichtig Räume für Begegnung und Austausch sind. Sie schaffen Möglichkeiten, Berührungsängste abzubauen und das Thema Frühdemenz aus der Tabuzone zu holen. Eine Demenzerkrankung kann viele Menschen und ihre Familien treffen. Umso wichtiger ist es, hinzusehen, zuzuhören und miteinander im Gespräch zu bleiben.
Ausstellung noch bis zum 12. Oktober zu sehen
Die Ausstellung "Demenz in Beziehung" ist noch bis zum 12. Oktober 2026 im ka:punkt in der Grupenstraße zu sehen. Ergänzend lädt eine Outdoor-Ausstellung am Leineufer auf Höhe der Schlossstraße dazu ein, die Fotografien auch im öffentlichen Raum zu entdecken.
Wir laden Sie herzlich ein, die Ausstellung zu besuchen und den Menschen hinter den Bildern zu begegnen.